November15
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Zwischenzeitlich war ich noch einmal auf dem Bauernhof meiner Familie.
Der Spaghat zwischen Familienzugehörigkeit, Verständnis für ihre Denkweise und meinen eigenen Überzeugungen ist nicht leicht.
Mein Bruder ist allerdings angenehm tolerant gegenüber veganem Essen. Im Gegensatz zu meiner Mutter hat er bisher ohne das geringste Murren im Restaurant oder von mir zubereitetes veganes Essen gegessen.
Als Bauer und Typ ‘bärbeißiger Macho’, der unvorstellbar hart arbeitet und den Hof mittlerweile quasi alleine bewirtschaftet, könnte man von ihm blöde Sprüche à la ‘richtige Männer brauchen Fleisch’ erwarten – so was hat er aber noch nie zu mir gesagt. Vermutlich auch, weil er weiß, dass ich ihn dafür verbal abwatschen würde. 
Da ist er offener als manch ‘kultivierter’ Städter, die mir schon begegnet sind, und die taten als käme ein einziges veganes Gericht einer Kastration gleich.
Kritik an seiner Art der Tierhaltung lässt er aber nicht im Ansatz zu. Da spricht er gleich von ‘verweichlichten Städtern’, ein Bauernhof sei nun mal kein Streichelzoo, und damit ist für ihn das Gespräch beendet.
Soll ich da tatsächlich mit ihm streiten, wenn wir uns ein, zweimal im Jahr sehen, und er kaum Zeit für ein Gespräch hat, weil er sich täglich mehr als 15 Stunden abrackert, um irgendwie über die Runden zu kommen?
Wieder in die Bauernwelt einzutauchen, war bedrückend. Tiere zu besitzen und Macht über sie auszuüben, spielte in Gesprächen am Küchentisch mit Familie und Besuchern aus dem Dorf eine große Rolle.
Viele Tiere zu haben, scheint das Prestige zu steigern.
Als ich davon berichtete, wie gerne ich von meinem Schreibtisch aus den Tauben bei ihren Flugmanövern über den Dächern zuschaue, wurde ich verstört angeschaut. Als wollten sie fragen: Welchen Sinn soll es haben, sich für Tiere zu interessieren, die man nicht besitzt und/oder essen kann?
Erst mit dem Blick des Veganers wurde mir deutlich, dass beispielsweise Gemüse- oder Obstbauern von den ‘richtigen’ Bauern schon immer belächelt wurden. Erst in der Härte und der Ausbeutung des Tieres zeigt sich der ‘ganze Kerl’. Wer nur Kohlstauden köpft, ist schon ein Softie.
Unter anderem hat mir ein Freund der Familie, der Bullenmäster ist, berichtet, wie er in seinem Hause keine ‘Hysterie’ bei seinen kleinen Kindern dulde, wenn es um das Schlachten von Bullen, Kaninchen oder Geflügel gehe. Die Kinder müssten lernen, dass Tiere die Funktion haben, gegessen zu werden. ‘Rumgeheule’ dulde er da nicht. Wobei er für sich in Anspruch nahm, ein sensibler Vater zu sein, der von seinen Kindern nicht verlangt, beim Schlachten zuzuschauen.
Auch hier wollte ich keinen Streit vom Zaun brechen. Ich hatte diesen Menschen fast zwanzig Jahren nicht mehr gesehen und teile wichtige Kindheitserinnerungen mit ihm. Unsere Sichtweisen bezüglich Tierhaltung sind mittlerweile so weit voneinander entfernt, dass es in der kurzen Zeit die wir hatten, keinen gemeinsamen Boden für eine friedliche Verständigung hätte geben können.
Meine Entwicklung, Tieren gegenüber eine grundsätzlich andere Einstellung zu haben als meine Herkunftsfamilie, entfernt mich sehr von ihnen. Die ohnehin spärlichen Berührungspunkte wurden noch weniger.
Ich habe bei diesen Gesprächen am Küchentisch viel geschwiegen…
Ich kann weiterhin sehen, dass sie nicht nur mit Tieren erbarmungslos sind, sondern auch mit sich selbst. Sie haben einen unglaublich harten Lebensweg gewählt, voller Knochenarbeit, bei dem sie körperlich vor die Hunde geganen sind.
In ihrem Wertesystem adelt sie dieser harte Lebensweg und während sie spüren, dass viele Menschen auf sie herabschauen und sie belächeln, haben sie auch eine ausgeprägte Überheblichkeit gegenüber ‘gefühlsduseligen Leuten, die sich zu fein für die Drecksarbeit sind’ entwickelt.
Was es mir möglich macht, mit diesen Menschen im Gespräch zu bleiben, ist, dass ich die kleinen Bauern nicht für die Schuldigen an der ganzen Misere halte. Selbstverstänldich wünschte ich, sie hätten ein anderes Verständnis und mehr Respekt vor Tieren.
Das eigentliche Problem sind für mich die Millionen ‘normaler Leute’, die sagen, sie wollen gar nicht wissen, was sie da essen. Die Millionen ‘normaler Leute’, die den Fernseher entsetzt abschalten oder ein Tränchen verdrücken, wenn sie furchtbare Bilder aus der Nutztierhaltung sehen, und die am nächsten Tag an der Fleisch- und Käsetheke genau diese Machenschaften unterstützen, durch ihr Kaufverhalten honorieren und weiterhin in Auftrag geben. Millionen ganz normaler Leute, die nicht mal im Traum auf den Gedanken kommen, sich für veganes Essen zu interessieren.
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Meanwhile I have been back to my family’s farm.
The balancing act between family belonging, understanding of their way of thinking and my own beliefs is not easy.
My brother, though, is pleasantly open towards vegan food. In contrast to my mother he always ate vegan food without snarling, whether it was homemade or at a restaurant.
As a farmer, type “gruff macho”, who is working hard beyond imagination, doing the work of an entire family on his own, by now, you might expect comments like ‘real men need meat’ – but he never said anything in that line to me. Probably he knows, I would slap him verbally, if he did. 
He is more open in this regard than many city guys I have encountered, acting as if a single vegan meal would equal castration.
But he won’t allow the slightest criticism of the way he is keeping animals. Instantly he’ll mock namby-pamby towners, a farm wasn’t a petting zoo, and that’s the end of the conversation for him.
Should I really start a fight with him, when we meet once or twice a year and he barely can spare an hour for a conversation, for he is working more than 15 hours each and every day just to make ends meet?
Diving back into the farm world was dismal. Owning animals and having power over them plays a huge role in conversations round the kitchen table with family and visitors from the village.
Having many animals seems to heighten your prestige.
When I told, how much I enjoy watching the pigeons from my study, doing their flying stunts over the roofs, I got some empty stares. As if they were asking: Where would be the point in caring about animals you don’t own and/or eat?
Only now, with the perspective of a vegan, I could realize, how for example vegetable and fruit farmers are looked down and smiled at by ‘real’ farmers. Only in the toughness and exploitation of the animal the ‘man’s man’ shows. I heads of cabbage are the only thing you are beheading, you are a wimp, already.
Among other things, a friend of the family, who breeds bulls for fattening, explained, how he won’t have ‘hysteria’ at his house with his little children, when it comes to killing bulls, rabbits or poultry. His children have to learn that the animal’s function is to be eaten.
He won’t allow ‘weeping around’. He described himself as a modern and sensitive father, at the same time, as he does not force his kids to watch the killing.
Again, I didn’t want to pick a quarrel. I hadn’t seen that man for nearly twenty years and share precious childhood memories with him. Our views on keeping animals have drifted apart so far, since then, so, in the short time we had, there would have been no common ground for a peaceful exchange.
My progression to a fundamentally different view of animals than my family of origin has distanced me further from them. The already sparse common grounds diminished even more.
I was very quiet during these talks around the kitchen table…
I can still see, how they are not only without mercy towards animals, but as well towards themselves. They chose a hard life beyond words, full of back-breaking work, in which they went to the dogs physically.
In their value system, this hard walk of life is an accolade and while they realize, how many people look down on them, they have developed a pronounced arrogance toward ‘touchy-feely people, who are feeling above for doing the dirty work they do’.
I can stay in touch with these people, for to me the small farmer is not guilty of the whole misery. Of course, I wish they had a different understanding and would have more respect for animals.
The real problem to me are millions of ‘ordinary people’, who are saying they don’t even want to know, what they are eating. Millions of ‘ordinary people’, who will switch off a documentary, or get a bit teared up, when they see horrid pictures about factory farming, but who will support and honor exactly these actions by buying the meat and the cheese coming from it the very next day. They go on and on demanding it. Millions of ordinary people, who wouldn’t dream of thinking about giving vegan food even a try.
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